Einfache Strukturen bestimmen die Bilder des seit 1981 in Deutschland
lebenden Malers Gregory Sheehan; geschwungene Linien, rechteckige Flächen
und Streifen, die sich teilweise transparent Überlagern, bilden horizontale
Konfigurationen und lassen Landschaftsassoziationen entstehen.

Kein realer Ort, der sich geografisch benennen ließe, und dennoch unverkennbar
die Farben und Formen Irlands, die sich der Maler mit Hilfe von Torf und anderen
Erdpigmenten auf der Leinwand ins Gedächtnis ruft.

Der dunkle, mit Wasser vollgesogene Torf, von Sheehan in irischen Mooren
gesammelt, wird zum beherrschenden Material auf der Leinwand. Manchmal
transparent und in feinen Graunuancen, dann aber auch im klumpig-erdigen
Auftrag, gelingt es Sheehan, die irische Weite und ihre melancholische Farb-
palette zu transponieren.

Grau, schwarz, braun, stehen dabei im starken Hell-Dunkel-kontrast zu lasierend
eingesetzten Blau- und Grüntönen im oberen Bereich der Bilder.

Der malerische Prozess selbst lässt die beherrschenden Elemente dieser
archaischen Landschaft, nämlich Erde, Wasser und Himmel, in einem zweiten
k
leineren Schöpfungsakt neu entstehen.

So steht die Malerei Gregory Sheehans ebenso wenig in der Traditionslinie der
Abstrakten Malerei, die sich aus einem intellektuellen Konzept heraus
entwickelte, wie in der des abbildhaften Naturalismus, der Gefahr läuft, im
Klischee zu erstarren. Diese Malerei findet einen eigenen Ausdruck für etwas,
das in unserer modernen flexiblen Welt hinter dem Horizont verschwunden ist
und trotzdem in unseren Herzen weiterlebt: Heimat.

Christoph Rust, Hannover 2000